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Gahr: Rückkehr der Wölfe gefährdet die Almwirtschaft
2020-08-20 | Presseaussendungen

13 tote Schafe in nur einer Woche sind für die 160 Wipptaler Schafbauern genug. Deswegen erfolgte zu Maria Himmelfahrt der frühzeitige Almabtrieb von der Koflalm. Für 1.200 Tiere ist somit die Almsaison beendet. „Die Verzweiflung und Angst unter den Bauern ist sehr groß, deswegen erfolgte dieser drastische Schritt. Die Schafzüchter können nicht mehr zusehen, wie ein Tier nach dem anderen qualvoll gehetzt und gerissen wird,“ beschreibt der  Bauernbund-Abgeordnete und Forum-Land Obmann Hermann Gahr die Situation vor Ort.

Die Schafe sind für den Wolf leichte Beute. Auch der von Tierschützern viel gepriesene Herdenschutz ist für Gahr keine Lösung. „Der Herdenschutz ist nur eine Beruhigungspille, die sie uns unterjubeln wollen. Eine Studie des Landes Tirol hat klar gezeigt, dass Zäune und Hunde im alpinen Gelände keine Lösung sind. Das Hauptproblem ist, dass die NGOs und Möchtegern-Experten vom Schreibtisch aus, Tipps geben, die in der Praxis nicht umsetzbar sind“, betont der Tiroler. Wie zahlreiche Studien und Praxistests bewiesen haben, gibt es keinen wolfssicheren Zaun: „Um einen geringen Schutz zu gewährleisten, muss ein Zaun einen Meter im Boden verankert sein, damit der Wolf nicht durchschlüpfen oder sich durchgraben kann und mindestens zwei Meter hoch und stromgeführt sein. Wie soll man im alpinen Gelände so einen Zaun aufstellen, das würde ich gerne einmal sehen. Auch das Märchen, das Wölfe nicht springen können ist längst überholt. Auf der Koflalm rannte ein Wolf am Hirten vorbei und sprang ohne Mühe über den Herdenzaun. Selbst ein Hirte und ein Zaun konnten den Wolf nicht abschrecken“, erklärt Gahr.

Die Wipptaler Bauern waren nicht die Ersten, bereits im Juli beendeten die Serfauser Schäfer die Almsaison frühzeitig. Ob die Bauern ihre Schafe im nächsten Jahr nochmal auftreiben, ist fraglich. „Die Almwirtschaft ist in Gefahr“, mahnt Gahr. Der Tiroler zeigt sich besonders von den einseitigen Informationen und leeren Worthülsen gewisser NGOs enttäuscht: „Es ist zu wenig, wenn Herdenschutz von Tierschützern eingefordert wird, es müssen auch Taten folgen. Die Aktivisten sind eingeladen, sich beim Zaunaufstellen zu beteiligen“, so der Tiroler.

Stellungnahme der EU-Kommission lässt hoffen

„Tierschutz bedeutet für mich, nicht das Wohl eines Tieres über das andere zu stellen. Leider passiert das derzeit mit dem extremen Schutz der Wölfe. Die Tiroler Almwirtschaft ist einzigartig und nicht mit anderen Gebieten vergleichbar. Deswegen braucht es hier eine besondere Behandlung und Bewertung der Situation“, betont Gahr.

Obwohl es derzeit rund 30.000 Wölfe in Europa gibt, stehen sie unter strengem Schutz, sie können nur bejagt werden, wenn die öffentliche Sicherheit in Gefahr ist oder um schwere Schäden an Nutztieren zu verhindern. In einer Stellungnahme der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich wird hervorgehoben, dass die Mitgliedstaaten aufgefordert sind, den Handlungsspielraum, den die EU-Habitat-Richtlinie gewährt, zu nutzen. Die Europäische Kommission ist zudem gerade dabei, die Leitlinien für Artenschutz im Rahmen der EU-Habitat-Richtlinie zu überarbeiten. Ziel ist es, den Handlungsspielraum noch klarer abzustecken.

Diese Ankündigung stimmt den Tiroler vorsichtig optimistisch, obwohl man sich keine großen Sprünge erwarten darf. „Derzeit lässt die FFH-Richtlinie viel Platz für Interpretation. So ist etwa der günstige Erhaltungszustand einer Art nicht genau geregelt. Eine Konkretisierung ist daher dringend notwendig. Wichtig wäre es, dass der günstige Erhaltungszustand einer Art nicht auf Nationalstaaten heruntergebrochen wird, sondern dass die gesamteuropäische Wolfspopulation zählt. Alles andere wäre praxisfremd“, so Gahr abschließend.

Die Petition „Tiroler Almen erhalten und schützen“ kann hier noch unterstützt werden:

https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/PET/PET_00017/index.shtml#tab-Zustimmungserklaerungen